Stammtische

1.Mittwoch im Monat
Stammtisch im „Römer Pils Brunnnen"
ab 17 Uhr

2. Freitag im Monat "Landser Lunch"
Mittagsstammtisch wechselnder Ort
ab 12:30 Uhr

3. Mittwoch im Monat
Stammtisch im „Klaane Sachsenhäuser"'
ab 17 Uhr

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Festrede - 125 Jahre VACC Frankfurt am Main - Die VACC Frankfurt von 1888 bis 2013 und ihr Verhältnis zur Universität in ihrer Stadt Frankfurt am Main

Eine VACC in der Universitätsstadt Frankfurt? Ganz und gar nicht. Universität war diese Einrichtung noch lange nicht, seit 1901 lediglich eine Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften. Dazu gab es in Frankfurt viele renommierte Forschungseinrichtungen, etwa die Senckenbergische (heute hauptsächlich bekannt durch das ‚Senckenbergmuseum’), um nur eine zu nennen, die allerdings auf den verschiedensten Gebieten tätig waren und sind, so etwa auch auf dem der Medizin - ich sage nur Bürgerhospital). Erst am 18. Oktober 1914 – im nächsten Jahr feiert man also das hundertjährige Jubiläum – wurde diese akademische Lehrstätte von Kaiser Wilhelm II. zur Universität erhoben - ohne Feierlichkeiten, denn der 1. Weltkrieg  hatte bereits am 3. August 1914 begonnen.  
Die Gründung unserer Vereinigung zu einem Zeitpunkt, als manche Landsmannschaft oder Turnerschaft noch gar nicht in Erscheinung getreten war, stellte ein höchst ungewöhnliches Ereignis dar. Dies umso mehr in einer Stadt, die eher dem Kommerz als den Wissenschaften zugetan war. Einem Mann ist es besonders zu verdanken, dass Frankfurt in Sachen ‚Vereinigung alter Landsmanschafter’ eine quasi Vorreiterrolle spielte – Eugen Gantter.  1870 in Tübingen zum Dr. phil.  promoviert, war er zu Aktivenzeiten bei der Landsmannschaft Ghibellinia Tübingen an vorderster Stelle, als es um die Gründung des Coburger L.C. ging, einer Vereinigung aller Landsmannschafter zu einem Verband, der bis in unsere Tage alle hier versammelten Landmannschafter – und seit 1949 auch Turnerschafter - waffenstudentisch vereint.
Obwohl es in Frankfurt nur wenige Landsmannschafter gab, war Gantter - der sich nach 1870 selbst ‚Der Alte Waiblinger’ bezeichnete (Waiblingen althochdeutsch für lateinisch Ghiblellinia) - nach Kräften bemüht, eine örtliche Altherrenvereinigung zu gründen. In den achtziger Jahren gab es in Deutschland nur wenige Vereinigungen dieser Art, etwa in Berlin, der Reichshaupt- und Universitätsstadt, außerdem in Köln und seit 1884 eine in Hamburg. Schon 1887 kam Magdeburg dazu, 1888 Erfurt, alles Orte, wo man sich als Landsmannschafter etwas allein gelassen fühlte, nimmt man die berufliche Einspannung einmal beiseite.
1887 trat nun Gantter mit Sanitätsrat Dr. Heinrich Vömel, Makariae Würzburg und Assessor Fritze, Gottingae, zusammen und gründete mit ihnen den Frankfurter L.C., wie auch damals noch Altherrenvereinigungen genannt wurden. Dr. Vömel, wurde Vorsitzender, Dr. Gantter, später mein Bonner Bundesbruder, Schriftführer und Assessor Fritze Schatzmeister.
Im Februar 1888 wurden dann alle Landsmannschaften gebeten, nicht nur die Adressen aller Landsmannschafter in Frankfurt selbst und Umgebung bekannt zu geben, sondern „auch derjenigen, welche nur so weit von Frankfurt entfernt wohnen, dass sie mit nicht allzu großem Zeitaufwand an einer hier stattfindenden L.C.- Zusammenkunft teilnehmen können (Wiesbaden, Mainz, Gießen etc.)“.
Dieser Aufruf erfreute sich großer Resonanz, so daß schon im März des Jahres mitgeteilt wurde, „… daß für die Osterferien, und zwar für Samstag 14. April, die erste Zusammenkunft alter und junger Landsmannschafter hierselbst in Aussicht genommen ist“ – also von heute aus gesehen ein halbes Jahr vor der heutigen 125. Wiederkehr! Sie fand im Restaurant „Stadt Ulm“ in der Schäfergasse statt und nahm einen quasi glänzenden Verlauf, was den Wunsch nach baldiger Wiederholung aufkommen ließ. Insgesamt zehn Landsmannschaften waren vertreten, für den Anfang schon eine zufriedenstellende Zahl. In Aussicht genommen wurden regelmäßige Sonntagsfrühschoppen und am letzten Samstag des Monats ein L.C. – Abend. Schon für den 20. Und 21. Oktober des Jahres 1888 – also vor nunmehr noch genauer 125 Jahren – war die nächste Zusammenkunft in größerem Rahmen vorgesehen.
Der Frankfurter L.C. wurde damit quasi zur Keimzelle aller örtlichen AH-L.C.- Vereinigungen in der näheren und weiteren Umgebung. Der später sehr rührige L.C. Wiesbaden wurde bereits 1891 gegründet, 1894 folgten Darmstadt, Mannheim und Mainz, 1911 gar Friedberg, 1920 Hanau unter OB Dr. Hild, meinem Bundesbruder Palaeomarchiae, und so fort.
1893 beschloß der Frankfurter L.C., den 25. Jahrestag des Coburger L.C. zu feiern und zwar in Zwingenberg, dem Ort seiner ursprünglichen Gründung. Am Vorabend fand in Frankfurt ein Festkommers mit Musik und Landesvater statt, wo u.a. Makaria Würzburg chargierte. Am folgenden Tag fuhren die Teilnehmer mit dem Zug nach Zwingenberg. Hier fand dann zum ersten Mal das berühmt gewordene Zeremoniell statt: Am Bahnhof formierten sich die anwesenden Landsmannschafter in Reihen zu viert, hinter der aus Frankfurt mitgebrachten L.C.-Kapelle marschierte die Kolonne, der „alte Waiblinger“ mit geschultertem Stock an der Spitze und so ging es zum Gründungslokal, dem „Löwen“. Nach dem Frühschoppen fand zunächst ein Parademarsch vor den anwesenden Damen statt, dann zog die Festcorona mit Musik nach Auerbach, wo in der „Post“ das Mittagessen eingenommen wurde, dem – man höre - eine Waldkneipe folgte.
Die Zwingenbergfahrt wurde zur ständigen Einrichtung des L.C.  Frankfurt und sie wurde sogar in der Satzung des L.C. Frankfurt verankert. 1894 fand sich der Convent mit einem sehr ernsten Thema konfrontiert: In Coburg hatte der vorangegangene Pfingstkongreß – wohl dem sog. Zeitgeist und dem Vorbild anderer Verbände folgend – beschlossen, Juden nicht mehr aufzunehmen. Hierzu hatte sich der Frankfurter L.C. bereits in einem Rundschreiben geäußert, in dem es zu dem Coburger Beschluß u.a. wörtlich hieß: „Verfehlt ist er, weil er die deutschen Landsmannschaften in den Dienst einer politischen Partei stellt. Den Grundsätzen des Coburger Convents widerspricht er, weil die Landsmannschaft den Grundsatz aufgestellt hat, jeden ehrenhaften Studenten als gleichberechtigt anzuerkennen. Wie sehr aber ein Jude ein ehrenhafter Student sein kann, beweist die Tatsache, daß mehrere alte Landsmannschaften unter ihren verdienstvollsten Mitgliedern Juden zählen. Die Frage, ob ein Jude Mitglied des L.C. werden kann, muß von den einzelnen Landsmannschaften und darf nicht durch L.C. – Beschluß entschieden werden, am wenigsten zu einer Zeit, wo die Judenfrage weite Kreise unseres Volkes erregt.“
Der Wiesbadener L.C. hatte sich in ähnlicher Weise ausgesprochen und der Zwingenberger Convent erklärte es einstimmig für wünschenswert, daß der Beschluß bis zum nächsten Coburger Kongreß unausgeführt bleiben möge. Auch die anwesenden Aktiven schlossen sich diesem Votum einstimmig an, woran man ersehen kann, wie bedeutsam es sein kann, wenn regionale Alte Herren und Aktive der manchmal radikale Ideen aufnehmenden oberen Instanz – hier also dem Coburger Convent – argumentativ entgegen zu wirken vermögen. Manch einer in diesem Raum mag davon träumen!
Diese Frage ist vor dem Hintergrund zu sehen, daß Alte Herren auf dem Coburger Kongreß kein Stimmrecht hatten, als solche verbandsmäßig überhaupt nicht organisiert waren. Auch hier war es der Frankfurter L.C., der die Initiative ergriff, die 1897 zur Gründung des Gesamtverbandes Alter Landsmannschafter führte. Von nun an hielt dieser in Coburg den L.C. – Tag ab, war aber auf dem parallel stattfindenden Kongreß der Aktiven nur mit einer einzigen Stimme vertreten, ein eigenartiger Zustand, der aber m. W. bis heute anhält.
In das Jahr der Gründung des GAL, 1897, fiel der sog. L.C.-Krach, durch den sich manche Landsmannschaft von demselben abwandte, so auch in Frankfurt. Um Mitgliedern ehemaliger Landsmannschaften den Verbleib im A.H.L.C zu ermöglichen, wurde 1909 im § 2 der Satzung festgelegt, daß „Mitglied der Vereinigung jeder werden kann, der als Alter Herr einer Landsmannschaft angehört, die dem Coburger L.C. angehört oder angehört hat“ – siehe unsere heutige Regelung nach den Wirren des Jahres 1973 mit der Abspaltung von 17 CC-Bünden. Schon 1906 fand dann die Zusammenführung der beiden ‚feindlichen Brüder‘ statt, allerdings war manche alte Landsmannschaft nicht mehr dabei.
Im Jahr 1908 konnte so das Fest des vierzigjährigen Bestehens des Verbandes, der sich nun Deutsche Landsmannschaft nannte, in Zwingenberg begangen werden. Etwa 300 Alte Herren mit ihren Damen zogen vom Bahnhof Zwingenberg zum ‚Löwen‘. Nach einem Schoppen Bergsträßer Rebenbluts ging es zum bereits 1899 aufgestellten Gedenkstein, sang das Deutschlandlied und hörte die Worte des ‚Alten Waiblingers‘, des unverbesserlichen Optimisten, so der Frankfurter A.H.L.C-Vorsitzende, Dr. Vömel. Der Sonderzug führte danach die Teilnehmer nach Heppenheim zum Mittagessen, wo das Fest mit Musik und Tanz endete. 1912 übrigens wurde in Zwingenberg eine Landsmannschafterhalle neben dem ‚Löwen‘ eingeweiht, wo sich ein Stadt und Veste Coburg zeigendes Großgemälde befand, im Vordergrund ein junger und ein alter Landsmannschafter, natürlich der ‚Alte Waiblinger‘.
Das Alltagsleben des Frankfurter A.H.L.C. spielte sich vor dem 1. Weltkrieg  in wechselnden Restaurants ab, wie wir das in den letzten Jahrzehnten ebenfalls kennengelernt haben. Eine Zeitlang im wohlbekannten ‚Stadt Ulm‘, zu andern Zeiten das Restaurant ‚Falstaff‘ im Hotel ‚Westminster‘ am Theaterplatz oder im ‚Faust‘ des Schauspielhauses; auch gab es  monatliche Couleurkneipen mit vorherigem Convent. Über eine Weihnachtsfeier mit Damen im kleinen Saal des ‚Steinernen Hauses‘ mit Weihnachtsmann etc wird berichtet – das hatten wir dann später auch wieder. Einen Faschingstanz gar mit vierzig Damen und Herren gab es im Restaurant ‚Härle‘ in der Goethestraße. Übrigens lag die Zahl der Mitglieder damals insgesamt nur bei vierzig.
Die Hoffnungen auf eine starke Belebung des A.H.L.C. durch Gründung einer Universität 1914 in Frankfurt wurde erst einmal gedämpft durch den Ausbruch des Krieges, der auch die Frankfurter Vereinigung nicht verschonte. Viele Mitglieder rückten ein, übrigens auch der ‚Alte Waiblinger‘, der schon 1870/71 dabei war und jetzt als Hauptmann der Reserve im Bahnschutz und später der Postüberwachungsstelle eingesetzt war. Ende 1916 wurde er im Range eines Majors d. R. entlassen. Daraufhin übernahm er noch einmal das Amt des Vorsitzenden des AHLC. Noch im Mai 1918 fuhr man mit drei Sonderwagen zum 50. Jubiläum der D.L. nach Zwingenberg und dort traf auch der Zug aus Heidelberg ein. Vor dem ‚Löwen‘ ließ Dr. Gantter verlauten:
“Aus bescheidenen Anfängen hat sich der Gedanke der Deutschen Landsmannschaft Bahn gebrochen auf fast allen deutschen Hochschulen, der Gedanke, daß den schlagenden Verbindungen nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Zukunft gehört, daß sie sich aber fernhalten müßten von den Auswüchsen nach rechts und nach links, wie es unser Wahlspruch verkündet: ‚Ehre, Freundschaft, Vaterland‘ – prophetische Worte! – Einem ehrenden Nachruf auf Dr. Vömel, der im Jahr 1913 gestorben war, schloß sich ein Schuldirektor aus Schotten, AH Darmstadtiae, an, der als Hauptmann d. R. sein Augenlicht eingebüßt hatte; er brachte allen Anwesenden zum Bewußtsein, daß man sich in einem mitleidlosen Krieg befand, dessen Ausgang noch nicht entschieden war.
Der verlorene Krieg stellte die Universität Frankfurt vor die Situation, die Tradition der alten deutschen Universität Straßburg zu übernehmen und auch mehrere alte Straßburger Korporationen ließen sich hier nieder, so die L! Teutonia a. d. Schanz, die Turnerschaften Alsatia, unsere Gastgeber, und Cheruscia. Da 1919 die älteste Frankfurter Verbindung Frankonia in die D.L. rezipiert worden war, bestand der junge Frankfurter o.L.C. aus zwei Landsmannschaften, mit denen die VAL in engem Kontakt stand, wobei manches Fest gemeinsam gefeiert wurde. ‚Der alte Waiblinger‘ legte 1919 endgültig des Amt des Vorsitzenden nieder und wurde aufgrund seiner Verdienste zum ersten Ehrenvorsitzenden gewählt.
Die Zahl der Mitglieder war mittlerweile auf 108 angewachsen, was u. a. durch die Landsmannschaften an Technischen Hochschulen begründet war. Im Übrigen betrieben alle Bünde eine expansive Aufnahmepolitik. Die Zahl der Landsmannschaften stieg von 1914 – 1922 von 53 auf 94, die der Turnerschaften im V.C. von 57 auf 72. 1922 schlossen die beiden Verbände ein Abkommen über die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft ab, was sich auch lokal auswirkte.

Nicht vernachlässigen will ich die Geschichte des V.C., des Verbandes der Turnerschaften:

Im Gegensatz zum Cob. L.C., der von seit Jahren bestehenden farbentragenden waffenstudentischen Verbindungen gegründet worden war, taten sich 1872 im Cartellverband (C.V.) akademische Turnervereine zusammen, die noch keinen korporativen Charakter hatten.
In diesem Verband  bildeten sich früh zwei Richtungen heraus, die Vereine der einen begannen Farben anzulegen und waffenstudentischen Charakter anzunehmen, die anderen blieben schwarz. 1882 kam es zur offiziellen Spaltung: Die Turnvereine mit Korporationsprinzip nahmen 1885 den Namen ‚Vertreter-Convent (V.C.), Kartellverband akademischer Turnvereine auf deutschen Universitäten an (das Wort ‚Universitäten‘ wurde 1894 durch ‚Hochschulen‘ ersetzt; ab 1897 nannte man sich ‚Turnerschaften‘ - die Analogie zu ‚Landsmannschaften‘ und ‚Burschenschaften‘ ist offensichtlich. Eine großzügige Aufnahmepolitik hatte vor dem 1. Weltkrieg zur Folge, daß der V.C. die D.L. bald übertraf, was vor allem durch Aufnahme von Verbindungen an Technischen Hochschulen ermöglicht wurde. -
1922 fand der erste Frankfurter Waffenringkommers im Palmengarten unter dem Präsidium unserer heutigen Gastgeber statt. Die erste größere gemeinsame Veranstaltung von V.A.L. und V.A.T. war im Jahre 1925 eine Dampferfahrt auf dem Rhein von Biebrich bis Kaub und zurück. Auch zu anderen Veranstaltungen gab es hier und dort Besuche des jeweils anderen Verbandes, auch etwa bei einem Ball zum Nikolausabend.  -
Vortragsveranstaltungen der V.A.L. fanden nun regelmäßig statt, einmal im Monat war Damenabend im ‚Kaiserkeller‘. 1926 fand unter dem Vorsitz der V.A.L. ein Reichsgründungskommers der alten schlagenden Verbände statt, auf dem Dr. Max Lindemann, Landsmannschaften Thuringia et Neoborussia, die mit großem Beifall bedachte Festrede hielt. Im Februar 1927 vereinte ein gemeinsamer Ball Alte Landsmannschafter und Turnerschafter im ’Frankfurter Hof‘.
Im Jahre 1928 wurde der 80. Geburtstag des ‚Alten Waiblinger‘ auf einem Ehrenabend im ‚Thomasbräu‘ in der Großen Bockenheimer Straße gefeiert, wo auch das von ihm verfaßte Landsmannschafterlied gesungen wurde. Unzählige Glückwünsche enthielten solche des Reichspräsidenten v. Hindenburg, der früheren Königing von Württemberg, der Oberbürgermeister von Frankfurt und Stuttgart, seiner Heimatstadt. –
Das Jahr 1932 war das letzte, in dem die Korporationsstudenten und ihre Alten Herren ihr Leben in althergebrachter Weise gestalten konnten, so etwa auch mit dem traditionellen ‚Dibbehaas-Essen‘, wozu man sich – die V.A.L. hatte mittlerweile 135 Mitglieder – auch mit den Verbandsbrüdern aus Hanau und Offenbach traf – doch standen bereits dunkle Wolken am Horizont.
Die 40. Zwingenbergfahrt fand im Jahr 1933 statt – und zwar trotz strömendem Regen, wo der wenige Monate später schon wieder seines Amtes enthobene hessische Ministerpräsident Dr. Werner sprach.  Es war bereits das eingetroffen, wovor der ‚Alte Waiblinger‘ 1918 an derselben Stelle bereits gewarnt hatte: Viele waren sich bewußt, daß eine Partei mit absolutem  Machtanspruch und radikaler Ideologie an der Regierung nur Unheil würde anrichten können, wie es denn auch geschah. Dem Korporationsstudententum wurden schon sehr bald unerwartet böse Überraschungen bereitet, die dann auch  zu seinem Untergang führten.  Nicht mehr  festzustellen war, wann sich  V.A.L. bzw. V.A.T. zum letzten Mal getroffen haben, gewiß ist nur, daß die Stammtische - oder Zusammenkünfte, wie sie oft nur genannt wurden – wenigstens bis Anfang des Krieges stattfanden, Häufigkeit und Lokalitäten konnten leider nicht ermittelt werden. ---
Sobald es die allgemeinen Lebensverhältnisse nach dem Krieg ermöglichten, begannen Vbr Schweizer, Zaringiae, von der VAL und Dr. Strathmann, Alsatiae, von der VAT die Überlebenden zu sammeln sowie die durch Krieg, Flucht und Vertreibung nach Frankfurt Zugezogenen ausfindig zu machen, wobei immerhin 400 Anschriften ermittelt werden konnten. Nun wurde der „Börsenkeller“ zum neuen Treffpunkt und am 23. 2. 1951 hielten die beiden noch getrennten Verbände ihren ersten gemeinsamen Kommers ab. Nach der zu  Pfingsten desselben Jahres erfolgten Vereinigung zum Coburger Convent (CC) wurde dann die V.A.L.T. Frankfurt gegründet, also die Vereinigung Alter Landsmannschafter und Turnerschafter, die sich seit 1953 – also vor jetzt 60 Jahren - VACC nannte. 1951 fand auch das erste gemeinsame Zwingenbergfest statt. -
Im Frankfurter „Börsenkeller“ war es der urgemütliche „Herrgottswinkel“, den sich die Vereinigung zum wöchentlichen Treffen am Freitagabend ausgesucht hatte. Auch andere Veranstaltungen fanden dort statt wie Faschingsfeste, Lichtbildervorträge, aber auch Kneipen der aktiven Bünde, die dann später in eigene Heime übersiedelten. Aufgrund des Umbaus des „Börsenkellers“ mußte man umziehen und wählte das „Steinerne Haus“ zum neuen Domizil, dort hatte auch ich meine erste Begegnung mit der VACC im Jahre 1973, auch schon 40 Jahre her. Nachdem wir im „Steinernen Haus“ ob des geringen Verzehrs nicht mehr gelitten waren, gab es häufige Lokalwechsel, was ständig schwieriger wurde und wird, weil sich geeignete Stammtisch-Ecken in Kneipen Frankfurts schwer finden lassen. –
Eins soll noch erwähnt werden: Im Jahre 1976 übernahm die VACC Frankfurt den sog. Vorort im AHCC und stellte mit dem allzu früh verstorbenen Vbr Heinz Kraus und  danach Vbr Hans-Dieter Mueller den AHCC-Vorsitz; weitere Mitglieder VACC übernahmen sekundäre Ämter im AHCC. Heinz Kraus wurde dann später für seine zahllosen Aktivitäten in 17 Jahren VACC-Vorsitz zum Ehrenvorsitzer ernannt, wie vor ihm der ‚Alte Waiblinger‘ und nach ihm ein anderer Verbandsbruder durch Wiederbelebung mancher Tradition wie ‚Dibbehaas-Essen‘, CC-Ball, Kneipen auf den Häusern der OCC-Bünde etc. während 16 Jahren. Er versuchte, es dem „Alten Waiblinger“, seinem Bundesbruder, nachzutun. - -
Die Behörden der Nachkriegszeit waren den sehr traditionellen Umtrieben der Korporationen, als die unsere Vereinigung von schlagenden Verbindungen und ihre Kommerse dort empfunden wurden, nicht gerade gewogen - ein Phänomen, das wir in unseren Tagen, d. h. in den vergangenen Jahren in Frankfurt auch wieder und wieder erlebten. Und so fanden größere Veranstaltungen ab 1953 statt  unter dem Namen ‚Vereinigung der Akademikerverbände‘, worin der Name Korporation oder Verbindung gar nicht erst auftauchte. Diese Verbändekommerse, wie sie später hießen, fanden zweimal unter der Leitung des überörtlichen CC statt, mehrmals auch unter einem OCC – Präsidium.
Überhaupt: Die vergleichsweise sehr junge – und Ende sechziger und Anfang siebziger Jahre sehr unruhige – Universität Frankfurt tat sich mit den Korporationen -  insbesondere schlagenden – sehr schwer. Ich erinnere nur an die juristische Fehde der Alten Prager Landsmannschaft Hercynia schon in den fünfziger Jahren über die Zulassung an der Universität: Die Sache ging – unter Federführung von Rektor Coing - bis nach Karlsruhe, wo sie schließlich von der Universität verloren wurde. –
Keine Frage, wie sich die Universität den korporierten Studenten gegenüber insbesondere in den Jahren ab 1968 verhielt: Im besten Fall gänzlich neutral, ohne jede Anerkennung für deren unterstützende Einstellung zur Aufrechterhaltung eines geregelten universitären Lebens und seiner akademischen Lehrveranstaltungen, wobei auch den Korporationsstudenten bewußt war, daß im Blick auf die Hierarchie an der Universität einiges im Argen lag.
Vielleicht wäre die Universität gut gefahren, sich für ihre Unterstützer einzusetzen - unter uns  finden sich Kämpfer aus jener Zeit - sie wenigstens nicht zu behindern. Es wäre ihr eventuell erspart geblieben, daß etwa ein Student, später Professor der Soziologie in Frankfurt, auf dem Schreibtisch des Rektors Ruegg seine Notdurft verrichtete.  Doch hier bewegen wir uns im Reich der Spekulationen.
In den Kämpfen um die sog. Drittelparität waren Außenstehende wie etwa Korporationsstudenten und andere  gemäßigte Kommilitonen ohne Einfluß. Auch im Studentenparlament, aus dem heraus der AStA gewählt wird, war es Korporierten unmöglich, irgendetwas zu bewegen, zumal es bei den Wahlen, selbst bei der immer geringer werdenden Wahlbeteiligung  mindestens 400 Stimmen bedurfte, um einen Sitz zu gewinnen, einen von 22 !
In Zeiten des Universitätspräsidenten Ring, selbst schlagend korporiert, war es immerhin möglich, die Universitätsspitze für Gespräche zu gewinnen, beim 100. Jubiläum der VACC in 1988 hielt Wbr. Prof. Ring  sogar eine Ansprache und später war Kanzler Mockel ohne große Probleme ansprechbar, um etwa die Perspektive der Universität bis zum Jahr 2014, ihrem 100-Jahr–Jubiläum, hier auf dem Alsaten - Haus darzustellen. Diese Haltung hat sich leider in den vergangenen Jahren sehr zu unserem  Nachteil gewandelt und so können wir heute auch keinen Vertreter der Universität begrüßen. –
Die Beziehung der VACC zu ihrem Standort Stadt Frankfurt hat viele Phasen durchlaufen, wie wir vorher auch schon betreffs der Zeit nach dem 2. Weltkrieg erfuhren,  abhängig jeweils von der parteipolitischen Situation im ‚Römer‘. Diese spiegelte sich regelmäßig wider in den Auseinandersetzungen um die Genehmigung von Veranstaltungen in städtischen Hoheitsbereichen, Veranstaltungen, die allerdings eher korporationsüberbegreifend und nicht allein solche der VACC waren und sind. Das hat, wie Sie sich erinnern, gar zur Absage von vorher schon genehmigter Überlassung bzw. Anmietung von Räumlichkeiten geführt, siehe der Kommers in Darmstadt vor wenigen Jahren. Keine erfreuliche Entwicklung! –
Was 1888 undenkbar gewesen wäre und später immer noch die Ausnahme, ist heute gelebtes Zusammensein – dasjenige mit den Bundesschwestern aller Bünde, die an den jeweiligen Stammtischen versammelt sind. Man war früher hin und wieder geneigt, den Damen die Aufwartung zu machen, indem man sie zu bestimmten Veranstaltungen ‚zuließ‘, angefangen schon damals mit den Fahrten nach Zwingenberg – doch blieb das bis nach dem 2.  Weltkrieg immer nur die Ausnahme. Ein Wandel zeigte sich ab, als mangelnder Besuch der Stammtische im letzten Jahrzehnt zu neuen Überlegungen führte.
Der Trend hinaus aufs Land, wo man sich ein Häuschen leisten konnte, deshalb aber oft ans Auto gebunden war, wurde größer, was den Besuch eines Stammtisches fast verbot – Stichwort Alkohol – dieser Trend war fast tödlich für Treffen der alten Art. Und so kam, was quasi unvermeidlich war, zu häufigen Veranstaltungen mit Damen, bis sie schließlich die Regel wurden. So auch in Frankfurt und im neuen Jahrtausend wurde diese Tendenz zur Regel, wobei man nicht schlecht fuhr. Die Stammtische erfreuten sich neuer Beliebtheit und  wenige Verbandsbrüder – wenn überhaupt – blieben deshalb fern. Heute Abend reichte der Platz nicht aus, sonst wären sicher viele Teilnehmerinnen dabei, die – und das braucht nicht verschwiegen zu werden – oft die Damen ‚am Steuer danach‘ sind.
Meine Herren, seien wir froh, daß sich die VACC auch nach 125 Jahren noch als Ort erweist, an dem korporationsstudentisches Zusammensein gepflegt wird. Möge es fürderhin so bleiben!

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